Tagebuch einer kammerzofe

Tagebuch Einer Kammerzofe Inhaltsverzeichnis

In den er Jahren wird die junge, attraktive Französin Céléstine Hausmädchen bei der herrschaftlichen Familie Monteil auf dem Land. Schon bald entpuppt sich die aussichtsreiche Stelle als Trugbild der Dekadenz, und Céléstine beschließt, zu. Tagebuch einer Kammerzofe ist ein in Frankreich gedrehter Spielfilm von Luis Buñuel aus dem Jahr und basiert auf Octave Mirbeaus gleichnamigem. Tagebuch einer Kammerzofe steht für: Tagebuch einer Kammerzofe (Roman) (Le Journal d'une femme de chambre), Roman von Octave Mirbeau aus dem Jahr. Die schöne Célestine ist Kammerzofe und hat bereits zahlreiche Male ihren Arbeitgeber gewechselt. Sie gilt als unstetig. Als ihre Pariser. Benoit Jacquot hat das "Tagebuch einer Kammerzofe" verfilmt. Die Hauptrolle spielt das aktuelle Bond-Girl Léa Seydoux. Starregisseure wie.

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Tagebuch einer Kammerzofe steht für: Tagebuch einer Kammerzofe (Roman) (Le Journal d'une femme de chambre), Roman von Octave Mirbeau aus dem Jahr. Tagebuch einer Kammerzofe von Luis Buñuel ist eine beißende Satire auf die französische Bourgeoisie und deren aufkeimenden Faschismus. Tagebuch einer Kammerzofe ist ein in Frankreich gedrehter Spielfilm von Luis Buñuel aus dem Jahr und basiert auf Octave Mirbeaus gleichnamigem.

Wer kann voraussagen, ob ich als alleinstehende Frau dieselben Chancen gehabt hätte wie als Kammerzofe? Vor allem die luxuriöse Atmosphäre unserer lasterhaften Herrinnen, die Verlockung, die von ihnen ausgeht, färbt auch ein wenig auf uns ab.

Uns begehren die Männer unserer Herrinnen, deren geheimnisvolle Ausstrahlung sie auf uns übertragen. Aber da gibt es noch etwas anderes.

Trotz meines lasterhaften Lebenswandels habe ich mir glücklicherweise im Grund meines Wesens ein ehrliches religiöses Denken bewahrt, das mich vor dem endgültigen Fall in den finsteren Abgrund behütet.

Hätte ich nicht meine Religion, meine Andacht in der Kirche, die Heilige Jungfrau, den heiligen Antonius von Padua und den ganzen dazugehörigen Flitter, wäre ich an den einsamen Abenden seelischen Tiefs noch viel, viel unglücklicher, das steht fest.

Immer wieder würde ich das Opfer meiner Gutmütigkeit und ihrer Gier sein. Ich bin einfach in die Liebe verliebt, zu sehr verliebt, um daraus irgendwelchen Nutzen zu ziehen.

Ich wäre nie imstande, von einem Mann, der mich glücklich macht und mich bis zu den flammenden Pforten der Ekstase führt, Geld zu fordern.

Ob ich hier ähnliches erleben werde? Ich glaube nicht. Jedenfalls hat es nicht den Anschein. Nur nicht nachdenken.

Besser ist es, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen! So entwickelt sich oft alles günstiger, als man denkt!

Das wäre ärgerlich. Ich fühle mich nämlich seit einiger Zeit recht elend, Schmerzen im Unterleib und in den Nieren, und schon am frühen Morgen fühle ich mich wie zerschlagen.

Magenschmerzen und ein merkwürdiges Nachlassen des Gedächtnisses quälen mich ebenso. Ich werde von Tag zu Tag reizbarer und nervöser.

Als ich mich vorhin im Spiegel betrachtete, erschrak ich über mein schlechtes Aussehen. Mein Teint, diese Bernsteinhaut, auf die ich immer so stolz war, war aschfahl, mein ganzes Gesicht wirkte müde, abgespannt.

Werde ich am Ende schon alt? Um Gottes willen, nur nicht altern! In Paris ist es schwer, sich zu pflegen. Immer ist man von einer Menge Menschen umgeben.

Zuviel Vergnügungen, zuviel Überraschungen. Und nichts soll man auslassen, alles mitmachen. Hier, am Lande, ist es ruhig.

Welch wohltuender Frieden! Und welche Stille! Die Luft, die man einatmet, rein und gesund. Dummerweise habe ich nicht sehr viel Vertrauen zu diesem neuen Haushalt.

Am meisten staunt sie über meine Eleganz. Ja, ja, am ersten Tag sind sie meistens ganz nett, diese alten Stuten. Neue Besen kehren gut, den Spruch kennt man zur Genüge.

Am nächsten Tag lernt man die Kehrseite der Medaille kennen. Und das wird wohl auch hier zutreffen. Auch ihre unangenehme Redeweise stört mich.

Diese kurzen unverbindlichen Sätze formen jedes Wort zu einer Beleidigung oder arten in eine Demütigung aus.

So viele Münder haben zu mir gesprochen, so viele Blicke haben mich abgetastet, warum soll ich nicht eines Tages einen freundlichen Mund und einen mitleidigen Blick finden?

Abwarten und Tee trinken. Das kostet nichts. Oh, diese Gnädige verliert keine Zeit, weder die ihre noch die meine! Guten Appetit!

Lauter Winkel und alle angehäuft mit Kram. Vier Dienstboten wären nötig, um diese Bude halbwegs instand zu halten.

Madame hatte nämlich den genialen Einfall, die Lingerie, die Wäschekammer, in der ich ja am meisten zu tun habe, in der Mansarde, wo die Dienstbotenzimmer liegen, einzurichten, sie selbst hält sich tagsüber gewöhnlich in einem kleinen Salon neben dem Speisesaal auf.

Ich kam nicht dazu, sie abzuzählen. Wie soll ich mich jemals in diesem Bau zurechtfinden? Immer wieder bekam ich von Madame zu hören:.

Sehr selten, beinahe antik, und darum sehr wertvoll. Anscheinend ist es unter ihrer Würde, mich bei meinem Namen zu nennen!

Wie kommt sie dazu, mich so zu titulieren? Es ist zum Kotzen! Selbst der billigste Kitsch soll in meinen Augen von Wert sein, nur weil dieses Gerümpel ihr gehört.

Sie wird einem deutlich vorgeführt. Und wohin sich diese Einbildung verirren kann! Von einer Petroleumlampe, die im übrigen eine ganz gewöhnliche Lampe wie alle anderen ist, behauptete sie, als sie mir ihre Funktion erklärte:.

Hüten Sie sie wie Ihren Augapfel! Auch so ein wertvolles Stück? Kann auch nur in London geflickt werden, wenn er einmal in Stücke geht?

Meiner Treu, diese Leute bringen mich auf den Baum! Was die um ihren Plunder für ein Theater aufführen! Und damit wollen sie uns dann einschüchtern und Eindruck auf uns machen?

Zum Schieflachen! Also, dieses Haus ist nicht gerade ein Schmuckkasten. Jedenfalls kein Grund, um sich damit aufzuspielen.

Aber drinnen ist alles Mist, Dreck, verbraucht, und das wurmstichige Holz riecht nach Moder. Ich verstehe nicht, wie man in so einem Kasten leben kann.

Mit den halsbrecherischen Wendeltreppen, deren Holz bei jedem Schritt verräterisch knackt, hat es etwas von einem Rattennest.

Das Ganze besteht aus schlechtem Material, typisch finstere Provinz. Natürlich ist das Haus auch nicht so möbliert, wie man es von Paris gewohnt ist.

In allen Zimmern alte Mahagonimöbel, Fauteuils und Sofas sind schlecht gefedert, wackelig, die Bezüge aus verschlissenem Stoff. Und dazu abgetretene schäbige Wollteppiche.

Die Salongarnitur, Sofa und Stühle, sind ungemütlich und steif, keine einzige bequeme Sitzgelegenheit.

Darin bekommt man einen steifen Nacken und einen wunden Podex, stelle ich mir vor. Das Mobiliar hier stimmt mich geradezu traurig.

Ich fürchte, ich werde mich kaum an diesen völligen Mangel an Bequemlichkeit gewöhnen, an dieses traurige, verstaubte alte Zeug.

Meine neue Herrin kleidet sich selbstverständlich nicht wie eine Pariser Dame, sie besitzt weder Chic, noch hat sie von der Haute Couture die leiseste Ahnung.

Ihre Garderobe wirkt, wie man so sagt, zusammengestoppelt. Dann würde sie sicherlich ganz akzeptabel aussehen.

Viel schlimmer als ihre Garderobe ist ihr penetrantes Unvermögen, Sympathie zu erwecken. Sie ist ausgesprochen unweiblich. Vielleicht ein wenig zu frisch, als litte sie an einer geheimen inneren Krankheit.

Diese Art Frauen kenne ich nur zu gut, ihr frischer Teint kann mich nicht täuschen. Rosige Haut und innen wurmstichig, so ist es!

Diese Damen halten sich überhaupt nur noch mit hypogastrischen Bandagen und Schnürleibern aufrecht und sonst irgendwelchen heimlichen komplizierten Tricks.

Dennoch verfügen sie über das Talent, auf ihre Kosten zu kommen. So ein Weibsstück wird dabei kokett! Sie flirten in jeder verschwiegenen Ecke, halten ihr geschminktes Fleisch feil, klappern mit den Augendeckeln, wackeln mit den Popobacken und taugen höchstens noch dazu, unter Spiritus in einem Einsiedeglas auf einer Etagere zu stehen.

Wehe denen, die mit ihnen zu tun haben. Ihnen zu dienen ist bestimmt kein Vergnügen. Ihr Gesichtsausdruck wirkt verschlossen, ihre Bewegungen sind merkwürdig gehemmt.

Sie hat etwas Altjüngferliches in ihrem Gehaben, etwas Mumifiziertes in ihrem Wesen. Ich halte Madame nicht für fähig, beim Klang einer einschmeichelnden Musik wie etwa Faust — oh, dieser Faust!

Nein, nein, sie täte das bestimmt nicht. Ich habe noch viel abweisendere Frauen kennengelernt, von denen man dachte, sie wären nicht einmal imstande, von Lust und Liebe zu träumen.

Ich halte Madame für böswillig, launisch und falsch. Ich glaube, sie hat einen schlechten Charakter und ein hartes Herz.

Vermutlich schikaniert sie das Personal nach allen Regeln der Kunst. Können Sie das? Lassen Sie bestimmt nichts fallen?

Haben Sie ein gutes Gedächtnis? Sind Sie genau? Ich bin auf Sauberkeit erpicht! Sonst drücke ich hie und da ein Auge zu, aber da gibt es keine Nachsicht.

Für eine Bauerndirn? Für eine Stallmagd? Für einen Landtrampel? Wenn ich das schon höre! Alle gebärden sich wild wegen der Sauberkeit, aber wenn man sich ihre Unterwäsche einmal genauer ansieht, na, da kann man was von Sauberkeit erleben!

Manchmal dreht sich einem da vor Ekel der Magen um. Also auch von der Sauberkeit dieser Madame halte ich nicht viel. Als sie mich in ihr Badezimmer führte, war ich schön enttäuscht.

Da gab es rein nichts, was eine kultivierte Frau für ihre Körperpflege braucht, keine Badewanne, kein Bidet. Und was da an Flakons und Tiegeln auf dem Tischchen stand, na, das war mehr als dürftig.

Und dabei schnuppere ich so gerne an diesen duftenden intimen kleinen Dingelchen. Als ich abends im Speisezimmer den Tisch deckte, bekam ich Monsieur zu sehen.

Er kam direkt von der Jagd. Er scheint mir ein wenig schwerfällig und ungelenk, sonst aber ein ganz netter Kerl zu sein.

Mit dem würde ich Monsieur gar nicht vergleichen, aber er wirkt sympathisch. Im Gegensatz zu Madame scheint er für die Liebe sehr geeignet.

So etwas erkenne ich an den beweglichen Nüstern, an seinen gutmütigen und zugleich lustigen Augen. Noch nie habe ich bei einem Menschen so dichte Augenbrauen gesehen.

Sie wirken geradezu obszön. Und diese dicht behaarten Hände! Wie die meisten etwas beschränkten Männer gibt er sich sehr schüchtern, aber dafür ist er muskulös.

Keine schlechte Mischung. Als er mich entdeckte, spiegelte sein Gesichtsausdruck Wohlwollen, Überraschung und Befriedigung wider.

Anscheinend ist der gute Mann nicht an Kammerzofen wie mich gewöhnt. Ich habe auf ihn augenblicklich Eindruck gemacht und ihn ein wenig verwirrt.

Er sagte unter leichtem Schnaufen:. Ich streckte meinen Busen vor, schlug die Augen nieder und sagte bescheiden und aufmunternd zugleich:.

Er hätte wohl gerne noch etwas mehr gesagt, suchte offensichtlich nach Worten, aber da er weder über Redegewandtheit noch Schlagfertigkeit verfügte, fand er einfach nichts.

Ich amüsierte mich königlich über seine Verlegenheit. Endlich, nach kurzem Schweigen:. Gut, wirklich sehr gut Kein alltäglicher Name — ein hübscher Name!

Hoffentlich ruft Sie Madame nicht bei einem anderen Das tut sie nämlich gern Aber ich finde, es ist wirklich ein hübscher Name Ich werde Sie jedenfalls immer so nennen.

Würden Sie mir jetzt bitte helfen, die Stiefel auszuziehen? Das stört Sie doch hoffentlich nicht? Seine Chance begriffen?

Ich glaube es. Na endlich! Der dicke Papa wurde langsam lebendig. Ich stellte mich so, als wäre ich über seine Zudringlichkeit etwas schockiert, aber ich schwieg.

Schüchtern und Weiberlisten gegenüber völlig hilflos, verstummte Monsieur erschrocken. Bestimmt glaubte er, er sei zu weit gegangen und wechselte schnell den Gesprächsstoff:.

Komische Frage! Ob ich mich hier schon eingelebt habe? Jetzt schon! Kaum drei Stunden in diesem Haus? Aber das tut nichts. In seiner Art hat er sogar eine gewisse Anziehungskraft.

Endlich waren die Stiefel ausgezogen. Jetzt fragte ich, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, mit sanfter Stimme:. Und jetzt — also kurz und gut — nämlich Sie stehen unter der Treppe — in einem niederen, finsteren Verschlag — ganz links Ich glaube, von diesem Typ Mann kann man allerhand bekommen.

Vielleicht sogar alles. Schlau ist er nicht, er ergibt sich bei der ersten Attacke. Oh, man kann bestimmt allerhand aus ihm herausholen.

Das Abendessen war ziemlich dürftig, da es aus den Resten des Vortages zusammengesetzt war. Es verlief ohne Zwischenfälle, in fast totalem Schweigen.

Sie hält anscheinend mehr von Tabletten und Tröpfchen und Pillen. Beide beobachteten mich. Jeder in seiner Art. Monsieur wagte es nicht, mich offen anzusehen, aber er zwinkerte mir heimlich recht bedeutsam zu und bemühte sich, meine Hände nicht zu auffällig anzustarren.

Anscheinend finden die Männer immer etwas Besonderes an meinen Händen. Na, ich tat jedenfalls so, als bemerkte ich nichts, ich bewegte mich anmutig und geschickt, ich kam und ging mit überlegener Miene.

Wenn dieses Paar in mein Inneres hätte sehen können, wie ich in das ihre! Aber sie hatten nicht die Fähigkeit, die Gedanken anderer zu erraten.

Ich liebe es zu servieren. Da kann man die besten Beobachtungen machen, da lernt man die Herrschaften bald ganz nah kennen.

Zuerst geben sie sich ja noch Mühe, sie belauern einander, aber plötzlich ist es aus mit der Vorsicht, und sie verraten und enthüllen ihr wahres Wesen.

Sie vergessen den bedienenden Dienstboten, der ihre Schwächen und Fehler genau kontrolliert, ihre moralischen Mängel erkennt und zu seiner Überraschung vernimmt, zu welch abscheulichen Infamien und schmutzigen Gedanken die ehrenwerte Bourgeoisie fähig ist, welch niedere Gesinnung sie uns enthüllt.

Und wofür? Für den Tag der Abrechnung. Der erste Kontakt mit meinen neuen Herrschaften war noch nicht sehr ergiebig. Berlinale arte.

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Anscheinend ist es unter ihrer Würde, mich bei meinem Namen zu nennen! Wie kommt sie dazu, mich so zu titulieren? Es ist zum Kotzen!

Selbst der billigste Kitsch soll in meinen Augen von Wert sein, nur weil dieses Gerümpel ihr gehört. Sie wird einem deutlich vorgeführt.

Und wohin sich diese Einbildung verirren kann! Von einer Petroleumlampe, die im übrigen eine ganz gewöhnliche Lampe wie alle anderen ist, behauptete sie, als sie mir ihre Funktion erklärte:.

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Meiner Treu, diese Leute bringen mich auf den Baum! Was die um ihren Plunder für ein Theater aufführen! Und damit wollen sie uns dann einschüchtern und Eindruck auf uns machen?

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Aber drinnen ist alles Mist, Dreck, verbraucht, und das wurmstichige Holz riecht nach Moder. Ich verstehe nicht, wie man in so einem Kasten leben kann.

Mit den halsbrecherischen Wendeltreppen, deren Holz bei jedem Schritt verräterisch knackt, hat es etwas von einem Rattennest. Das Ganze besteht aus schlechtem Material, typisch finstere Provinz.

Natürlich ist das Haus auch nicht so möbliert, wie man es von Paris gewohnt ist. In allen Zimmern alte Mahagonimöbel, Fauteuils und Sofas sind schlecht gefedert, wackelig, die Bezüge aus verschlissenem Stoff.

Und dazu abgetretene schäbige Wollteppiche. Die Salongarnitur, Sofa und Stühle, sind ungemütlich und steif, keine einzige bequeme Sitzgelegenheit.

Darin bekommt man einen steifen Nacken und einen wunden Podex, stelle ich mir vor. Das Mobiliar hier stimmt mich geradezu traurig.

Ich fürchte, ich werde mich kaum an diesen völligen Mangel an Bequemlichkeit gewöhnen, an dieses traurige, verstaubte alte Zeug.

Meine neue Herrin kleidet sich selbstverständlich nicht wie eine Pariser Dame, sie besitzt weder Chic, noch hat sie von der Haute Couture die leiseste Ahnung.

Ihre Garderobe wirkt, wie man so sagt, zusammengestoppelt. Dann würde sie sicherlich ganz akzeptabel aussehen.

Viel schlimmer als ihre Garderobe ist ihr penetrantes Unvermögen, Sympathie zu erwecken. Sie ist ausgesprochen unweiblich.

Vielleicht ein wenig zu frisch, als litte sie an einer geheimen inneren Krankheit. Diese Art Frauen kenne ich nur zu gut, ihr frischer Teint kann mich nicht täuschen.

Rosige Haut und innen wurmstichig, so ist es! Diese Damen halten sich überhaupt nur noch mit hypogastrischen Bandagen und Schnürleibern aufrecht und sonst irgendwelchen heimlichen komplizierten Tricks.

Dennoch verfügen sie über das Talent, auf ihre Kosten zu kommen. So ein Weibsstück wird dabei kokett! Sie flirten in jeder verschwiegenen Ecke, halten ihr geschminktes Fleisch feil, klappern mit den Augendeckeln, wackeln mit den Popobacken und taugen höchstens noch dazu, unter Spiritus in einem Einsiedeglas auf einer Etagere zu stehen.

Wehe denen, die mit ihnen zu tun haben. Ihnen zu dienen ist bestimmt kein Vergnügen. Ihr Gesichtsausdruck wirkt verschlossen, ihre Bewegungen sind merkwürdig gehemmt.

Sie hat etwas Altjüngferliches in ihrem Gehaben, etwas Mumifiziertes in ihrem Wesen. Ich halte Madame nicht für fähig, beim Klang einer einschmeichelnden Musik wie etwa Faust — oh, dieser Faust!

Nein, nein, sie täte das bestimmt nicht. Ich habe noch viel abweisendere Frauen kennengelernt, von denen man dachte, sie wären nicht einmal imstande, von Lust und Liebe zu träumen.

Ich halte Madame für böswillig, launisch und falsch. Ich glaube, sie hat einen schlechten Charakter und ein hartes Herz. Vermutlich schikaniert sie das Personal nach allen Regeln der Kunst.

Können Sie das? Lassen Sie bestimmt nichts fallen? Haben Sie ein gutes Gedächtnis? Sind Sie genau? Ich bin auf Sauberkeit erpicht!

Sonst drücke ich hie und da ein Auge zu, aber da gibt es keine Nachsicht. Für eine Bauerndirn? Für eine Stallmagd? Für einen Landtrampel?

Wenn ich das schon höre! Alle gebärden sich wild wegen der Sauberkeit, aber wenn man sich ihre Unterwäsche einmal genauer ansieht, na, da kann man was von Sauberkeit erleben!

Manchmal dreht sich einem da vor Ekel der Magen um. Also auch von der Sauberkeit dieser Madame halte ich nicht viel.

Als sie mich in ihr Badezimmer führte, war ich schön enttäuscht. Da gab es rein nichts, was eine kultivierte Frau für ihre Körperpflege braucht, keine Badewanne, kein Bidet.

Und was da an Flakons und Tiegeln auf dem Tischchen stand, na, das war mehr als dürftig. Und dabei schnuppere ich so gerne an diesen duftenden intimen kleinen Dingelchen.

Als ich abends im Speisezimmer den Tisch deckte, bekam ich Monsieur zu sehen. Er kam direkt von der Jagd. Er scheint mir ein wenig schwerfällig und ungelenk, sonst aber ein ganz netter Kerl zu sein.

Mit dem würde ich Monsieur gar nicht vergleichen, aber er wirkt sympathisch. Im Gegensatz zu Madame scheint er für die Liebe sehr geeignet.

So etwas erkenne ich an den beweglichen Nüstern, an seinen gutmütigen und zugleich lustigen Augen. Noch nie habe ich bei einem Menschen so dichte Augenbrauen gesehen.

Sie wirken geradezu obszön. Und diese dicht behaarten Hände! Wie die meisten etwas beschränkten Männer gibt er sich sehr schüchtern, aber dafür ist er muskulös.

Keine schlechte Mischung. Als er mich entdeckte, spiegelte sein Gesichtsausdruck Wohlwollen, Überraschung und Befriedigung wider.

Anscheinend ist der gute Mann nicht an Kammerzofen wie mich gewöhnt. Ich habe auf ihn augenblicklich Eindruck gemacht und ihn ein wenig verwirrt.

Er sagte unter leichtem Schnaufen:. Ich streckte meinen Busen vor, schlug die Augen nieder und sagte bescheiden und aufmunternd zugleich:.

Er hätte wohl gerne noch etwas mehr gesagt, suchte offensichtlich nach Worten, aber da er weder über Redegewandtheit noch Schlagfertigkeit verfügte, fand er einfach nichts.

Ich amüsierte mich königlich über seine Verlegenheit. Endlich, nach kurzem Schweigen:. Gut, wirklich sehr gut Kein alltäglicher Name — ein hübscher Name!

Hoffentlich ruft Sie Madame nicht bei einem anderen Das tut sie nämlich gern Aber ich finde, es ist wirklich ein hübscher Name Ich werde Sie jedenfalls immer so nennen.

Würden Sie mir jetzt bitte helfen, die Stiefel auszuziehen? Das stört Sie doch hoffentlich nicht? Seine Chance begriffen? Ich glaube es.

Na endlich! Der dicke Papa wurde langsam lebendig. Ich stellte mich so, als wäre ich über seine Zudringlichkeit etwas schockiert, aber ich schwieg.

Schüchtern und Weiberlisten gegenüber völlig hilflos, verstummte Monsieur erschrocken. Bestimmt glaubte er, er sei zu weit gegangen und wechselte schnell den Gesprächsstoff:.

Komische Frage! Ob ich mich hier schon eingelebt habe? Jetzt schon! Kaum drei Stunden in diesem Haus?

Aber das tut nichts. In seiner Art hat er sogar eine gewisse Anziehungskraft. Endlich waren die Stiefel ausgezogen. Jetzt fragte ich, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, mit sanfter Stimme:.

Und jetzt — also kurz und gut — nämlich Sie stehen unter der Treppe — in einem niederen, finsteren Verschlag — ganz links Ich glaube, von diesem Typ Mann kann man allerhand bekommen.

Vielleicht sogar alles. Schlau ist er nicht, er ergibt sich bei der ersten Attacke. Oh, man kann bestimmt allerhand aus ihm herausholen.

Das Abendessen war ziemlich dürftig, da es aus den Resten des Vortages zusammengesetzt war. Es verlief ohne Zwischenfälle, in fast totalem Schweigen.

Sie hält anscheinend mehr von Tabletten und Tröpfchen und Pillen. Beide beobachteten mich. Jeder in seiner Art. Monsieur wagte es nicht, mich offen anzusehen, aber er zwinkerte mir heimlich recht bedeutsam zu und bemühte sich, meine Hände nicht zu auffällig anzustarren.

Anscheinend finden die Männer immer etwas Besonderes an meinen Händen. Na, ich tat jedenfalls so, als bemerkte ich nichts, ich bewegte mich anmutig und geschickt, ich kam und ging mit überlegener Miene.

Wenn dieses Paar in mein Inneres hätte sehen können, wie ich in das ihre! Aber sie hatten nicht die Fähigkeit, die Gedanken anderer zu erraten.

Ich liebe es zu servieren. Da kann man die besten Beobachtungen machen, da lernt man die Herrschaften bald ganz nah kennen.

Zuerst geben sie sich ja noch Mühe, sie belauern einander, aber plötzlich ist es aus mit der Vorsicht, und sie verraten und enthüllen ihr wahres Wesen.

Sie vergessen den bedienenden Dienstboten, der ihre Schwächen und Fehler genau kontrolliert, ihre moralischen Mängel erkennt und zu seiner Überraschung vernimmt, zu welch abscheulichen Infamien und schmutzigen Gedanken die ehrenwerte Bourgeoisie fähig ist, welch niedere Gesinnung sie uns enthüllt.

Und wofür? Für den Tag der Abrechnung. Der erste Kontakt mit meinen neuen Herrschaften war noch nicht sehr ergiebig.

Ach, der arme Kerl hat an ihrer Seite nichts zu lachen. Vermutlich tut sie alles, um ihm das Leben sauer zu machen.

Beim Dessert versetzte Madame mir dann den ersten Hieb, nachdem sie schon während der ganzen Zeit beim Servieren über meine Hände die Nase gerümpft hatte:.

Der arme Mensch hatte beide Ellbogen auf den Tisch gestützt und verhielt sich ganz uninteressiert, aber innerlich war er bestimmt beschämt und entsetzt.

Von mir sollst du alle Parfüms haben, die du magst und die man dir nicht gönnt Das Hauspersonal ist nicht gerade aufregend.

Ein Kerl, der kaum den Mund aufmacht. Der Gärtner-Kutscher Joseph. Zwei stumpfsinnige Bauern, alle beide — so sehen sie auch aus. Sie fett, sehr nudelig und aufgeschwemmt, um ihren wulstigen Nacken schlingt sie ein unsauberes Halstuch, als benützte sie es auch zum Töpfeputzen.

Er ist in Hemdsärmeln, Arbeitsschürze und Holzpantinen, glatt rasiert, sehnig, mit einem unsympathischen Zug um den Mund, eine Grimasse von einem Ohr bis zum anderen.

Das sind meine Arbeitskameraden. Wir essen auf demselben Küchentisch, auf dem die Köchin tagsüber ihre schmutzige Arbeit verrichtet, wo sie Fleisch tranchiert, Fische ausnimmt und mit ihren unappetitlichen Wurstfingern das Gemüse putzt.

Meiner Seel! Das ist doch wirklich die Höhe! Wenn der Herd brennt, wird es im Küchenraum stickig, man kann kaum atmen. Wahrhaftig, Gefangene oder Tiere im Zwinger leben unter besseren Bedingungen!

Heute gab es Kohl mit Speck und stinkenden Käse. Zu trinken nur sauren Most, nichts sonst. Steingutgeschirr mit abgesplitterter Glasur, das nach Angebranntem roch, und Blechbesteck fügten sich harmonisch in das hübsche Gedeck.

Da ich noch neu im Hause war, wollte ich mich nicht gleich beklagen. Und essen wollte ich schon gar nicht. Sollte ich mir am Ende den Magen noch mehr verderben?

Nein, danke! Obwohl nicht mehr der jüngste, verfügt er über erstaunliche Geschmeidigkeit. Seine Hüften sind beweglich wie der Leib eines Reptils.

Ist er ein Tölpel oder eine Kanaille? Nach dem Essen holte Joseph, immer noch schweigsam, aus seiner Schürzentasche die Libre Parole hervor und begann sie aufmerksam zu lesen, während Marianne, die zwei volle Karaffen Most geleert hatte, allmählich zugänglicher wurde.

Und so kamen wir ins Plaudern und unterhielten uns fast freundschaftlich. Nun war es an mir, Fragen zu stellen über die Herrschaft, ob oft Gäste kämen, ob der Herr hinter den Kammerzofen her sei und ob Madame einen Liebhaber habe Herrje, da machte sie aber ein verblüfftes Gesicht!

Selbst Joseph sah plötzlich von seiner Lektüre auf. Na, die haben eine Vorstellung, hier in der Provinz, einfach zum Totlachen.

Die wissen nichts, die sehen nichts, die verstehen nichts und machen eine Affäre aus der natürlichsten Sache der Welt. Dann vertiefte er sich wieder in die Libre Parole.

Marianne stand schwerfällig auf und zog den Topf vom Feuer. Mit dem Schwatzen war es für diesen Abend aus. Und wo bin ich heute? Mein Gott, da habe ich was Hübsches eingetauscht!

Bin ich wirklich schon so heruntergekommen, gibt es kein Zurück mehr zu allem, was ich liebe? Unter welch ein Gesindel bin ich geraten!

Diese Zeilen schreibe ich in meinem Zimmer, besser gesagt in einer schmutzigen kleinen Dachkammer. Nicht einmal genügend Platz für meine Sachen.

Herbst und Winter wird es hier kalt sein, und im Sommer brennt einem die Sonne aufs Hirn. Kein anderes Licht als eine einzige qualmende, tropfende Kerze in einem Kupferleuchter.

Welch ein Abstieg! Welch ein Jammer! Mein kleines Kruzifix aus vergoldetem Kupfer werde ich über das Bett hängen, und auf den Kaminsims kommt die Heilige Jungfrau aus farbigem Porzellan.

Und rundherum arrangiere ich meine kleinen Schachteln, meine Nippsachen und die Fotografie von Monsieur Jean. Das Zimmer von Marianne liegt nebenan.

Nur eine sehr dünne Wand trennt uns, denn man hört jedes Geräusch von drüben. Letzte Woche. Original mit UT. Standard Vorwärts Rückwärts. Berlinale arte.

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Vincent Lacoste. Octave Mirbeau. JPG Productions. Les Films du Fleuve. Les Films du Lendemain.

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Ansichten Lesen Bearbeiten Quelltext learn more here Versionsgeschichte. Wenn heutzutage nämlich von Emanzipation geredet wird, tauscht man häufig einfach einen Zwang den patriarchalen gegen einen anderen den Zwang zur Unabhängigkeit aus. Les Films du Lendemain. Streifzug durch die Seuchenfilmgeschichte. Jacquot unterwirft den Stoff keiner radikalen Neudeutung, sondern entwickelt seinen Film sehr klassisch aus der Handlung des Romans. Dass sie am Schluss ausgerechnet bei Joseph — einem Grobian, Antisemiten und vielleicht https://smtele.se/serien-stream-to/o-c-california.php Kinderschänder — bleibt, wirkt zunächst wie ein radikaler Kurswechsel. Die Besten Dramen. Eine Ära der Unterwerfung.

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